Laut Duden ist Klassismus die Diskriminierung oder Vorurteile gegenüber einer Person oder Personen aufgrund einer [vermuteten] Zugehörigkeit zu oder Herkunft aus einer bestimmten [niedrigeren] sozialen Klasse.

In kaum einem anderen Industriestaat beeinflusst das Elternhaus so stark den Erfolg wie in Deutschland. Oft trauen Lehrer*innen einem Kind die Realschule oder das Gymnasium nicht zu, weil es einen Migrationshintergrund habe und/oder die Eltern kein Abitur. In unserem dreigliedrigen Schulsystem werden die weitere Schullaufbahn der Schüler*innen deswegen schon (zu) früh vorbestimmt. So vererben sich Gesellschaftsklassen und Bildungsstände.
Dies spiegelt sich auch in dem Anteil der Studierenden und Promovierenden aus Akademiker*innen-Familien und Nicht-Akademiker*innen-Familien wieder. Von 100 Nichtakademiker*innen-Kinder beginnen 27 ein Studium, 20 bzw. 11 absolvieren ein Bachelor- bzw. Masterstudiengang und zwei promovieren. Bei den Akademiker*innen-Kinder studieren 79 von 100, 64 bzw. 43 erlangen einen Bachelor- bzw. Masterabschluss und sechs promovieren.
Auch wenn der Nachwuchs aus Nichtakademiker*innen-Familien das Gymnasium besuchen, erleben sie ein Bildungssystem, das Wohlstandseltern vorraussetzt, z.B. bei Nachhilfeunterricht, unbezahlte Praktika oder Auslansaufenthalte. Ohne elterliche Vernetzung wählen sie (unfreiwillig) schlechter bezahlte Jobs.
Quelle:
Sebastian Pertsch (Hersg.), “Vielfalt”, Duden, 2023, ISBN: 9783411756018
Wir sprechen in der Folge “Diversity in der Wissenschaft: Einführung ins Thema & Klassismus” über Klassismus im Wissenschaftssystem.